Publisher's Synopsis
Die beiden desillusionistischen Portraitromane Joseph Roths spiegeln geschichtliche Erfahrungen aus den ersten vier Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, zugleich aber stellen sie am Beispiel zweier fiktiver Biographien auch die individuellen Konditionen dieser Erfahrungen dar. Der Stumme Prophet, einer der ersten deutschsprachigen Romane, der sich mit der Oktoberrevolution auseinandersetzt, behandelt unter ideologiekritischen und individualpsychologischen Aspekten die Wandlung eines intellektuellen Rebellen vom leidenschaftlichen Parteigaenger der Revolution zum oppositionellen Kritiker des postrevolutionaeren Buerokratismus und des realen Widerspruchs zwischen politischer Utopie und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Die Kapuzinergruft umfasst oesterreichische Kriegs- und Nachkriegsgeschichte bis zum Anschluss 1938. Roth richtet hier seine kultur- und gesellschaftskritischen Intentionen gewissermassen auf die Randzonen des grossen epochalen Umbruchs und laesst dessen Auswirkungen an den Verdraengungen und Euphorien, an den Verhaltensmoden und Verstoerungen der zwischenmenschlichen Beziehungen erkennbar werden. Neben detaillierten Interpretationen, die Eroerterungen der kuenstlerischen Gestaltungstechnik mit einschliessen, beruecksichtigt die Untersuchung, z.T. in laengeren Exkursen, besonders den politischen Publizisten Roth der dreissiger Jahre.